Es begann im Jahr 1409

Die Geschichte des Auracher Löchls

AURACHER LÖCHLIM HERZEN KUFSTEINS

Wer Kufstein kennt, der kennt auch die Römerhofgasse und den Genusshof Auracher Löchl – das gilt nicht nur für die Gäste und Einheimischen von heute, sondern galt schon für die Reisenden und Stadtbewohner im 14. Jahrhundert Und damals wie heute hat man den schützenden Festungsberg im Rücken, den grünen Inn als sanfte Lebensquelle vor sich, das uralte Stadttor zur linken und die muntere Gasse zur rechten Hand. So wurde der Hof trotz seiner verschiedenartigen Teile stets als Einheit empfunden. Doch wenn man gleichzeitig bedenkt wie nah das Auracher Löchl an den unteren Stadt-Toren lag und wie eng sein Schicksal mit der Festung Kufstein verknüpft war, muss man sich fragen, wer wohl 600 Jahre lang seine schützenden Hände über das Haus gehalten hat.
Denn wie durch ein Wunder blieb dem Auracher Löchl viel Übel erspart, das die restliche
Stadt erdulden musste. Die alten Überlieferungen erzählen von etlichen „Guten Geistern“...

Ab 1400…
Irgendwann um 1409 wurde gleich hinter der Stadtmauer mit Inn-Steinen der älteste Teil des Auracher Hofs direkt an und in den Festungsberg gebaut. Der Beiname „Löchl“ stammt von dem 90 Meter langen Stollen, den die Besitzer zur Kühlung des selbst gebrauten Biers in den Felsen hauen ließen.

Ab 1448 war die Schänke schon ein beliebter Mittelpunkt der Stadt. Hier verkehrten die vielen Soldaten, die auf der Festung stationiert waren. Wobei die Offiziere im bis heute erhaltenen beheizten Stüberl und die unteren Dienstgrade im felsigen Untergeschoss saßen. Verwegene Inn-Flößer und Fischer legten beim Auracher Steg an, und die Händler und
Reisenden labten sich und ihre Pferde. Ortsansässige Handwerker und Bauern boten hier
ihre Waren feil, und natürlich durften auch der gehobene Bürgerstand und der Klerus nicht fehlen. Kein Wunder, dass an einem Ort, an dem außer dem Inn auch viele wertvolle Informationen vorbei flossen, Politik gemacht wurde. Die Gründer-Familie Auracher stellte
in den folgenden Generationen insgesamt zehn Bürgermeister und baute ihr Ansehen und den Hof immer weiter aus.

Ab 1500…
Nach der Belagerung und Eroberung Kufsteins 1504 durch Kaiser Maximilian I. berichtet die Auracher-Geschichtsschreibung vom Auftauchen des ersten „guten Geistes“. Ein kopfloser bayrischer Gefolgsmann des ebenfalls geköpften Festungshauptmanns Pienzenauer saß fortan ab Mitternacht in seiner Lieblings-Schänke und wachte treu über seinen Stammplatz. Durch ihn soll das Auracher Löchl vor den plündernden Soldaten des Habsburger-Kaisers verschont geblieben sein.

Ab 1700…
Welcher gute Geist das Auracher Löchl während des verheerenden Stadtbrandes 1703
beschützte, ist nicht überliefert. Dieses Feuer war von den Kufsteinern selbst gelegt worden, um das anrückende Heer des bayrischen Kurfürsten Max Emanuel aufzuhalten. Es geriet aber schnell außer Kontrolle. Der Auracher Hof blieb auf wunderbare Weise verschont.

Der viel gepriesene grüne Inn war in der gesamten Geschichte der Stadt Kufstein nicht nur Handelsweg und Lebensader, sondern auch eine ständige Bedrohung. Der gemauerte Übergang, der noch heute über die Römerhofgasse führt und das „Kleinste Brückenrestaurant der Welt“ beherbergt, war keine bequeme Verbindung zwischen den Häusern, sondern diente bei Hochwasser als Notsteig, über den man Wertvolles auf den Festungsberg bringen konnte.
Dass dies nie wirklich nötig war, verdankte man angeblich dem guten Geist des „Fischer-
Loisl“, der alle Anzeichen für drohendes Hochwasser kannte und nach seinem nassen Tod
im Inn die Hofbewohner und Gäste immer rechtzeitig warnte.

Ab 1800…
1809 geriet die Stadt im Tiroler Freiheitskrieg gegen die napoleonischen Truppen erneut in
Vollbrand, aber auch diesmal blieb der Auracher Hof verschont.

Ab 1869
wurde in der ehemaligen Bierschänke Auracher Löchl erstmals Wein eingelagert und ausgeschenkt – und der wohlbestückte Weinkeller wurde zum Reich der „Schwarzen Katz`“.
Sie lag stets auf dem allerbesten Fass und verteidigte es wild fauchend und kratzend gegen
unbefugtes Abzapfen. Das abergläubische Gesinde hielt die Katze für eine Abgesandte des Teufels und ließ den guten Wein in Ruhe. Zum Dank nahmen die Auracher Wirtsleute die Schwarze Katze in ihr Haus-Wappen auf.

Ab 1900…
Zur Jahrhundertwende wurde Kufstein eine Wintersport-Hochburg. Die jährlichen „Wintersportfeste“ waren glanzvolle gesellschaftliche Ereignisse. Neben heimischem Publikum kamen Sonderzüge mit 1500 Gästen aus Bayern und sogar England, um beim Paar-Rodeln, Schi-Wettkämpfen wie Schlangen- und Fern-Lauf (Slalom?), Schneeschuh-Lauf,
Schi-Weitspringen (Höchstweite 16 Meter!), Hornschlitten-Rennen und vielem mehr dabei
zu sein.
1906 fielen allerdings die Eiskunstlauf-Bewerbe und das Eis-Fest auf dem Auracher-
Teich ins Wasser, weil die kreuzbraven „guten Geister“ des Auracher Löchls wie jeden
Freitag Eisblöcke zum Bierkühlen herausgeschnitten hatten.
1908 beklagte die Bayrische Staatsbahn die späte Rückkehr des Münchner Zugs erst um 10.24 Uhr nachts, weil die Passagiere „allzu lang in den Kufsteiner Restaurationen verweilt hätten.“
Danach brachen dunkle Zeiten herein. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden die
schon jahrhundertelang genutzten kleinen Stollen im Festungsberg erweitert und als Schutzbunker für die Kufsteiner Bevölkerung genutzt. Auch diesmal blieb das Auracher Löchl von Bomben und Feuer verschont. Und nachdem der Gründerfamilie Auracher nach vielen Generationen die Nachkommen ausgingen, verkaufte man den Hof 1922 an die Familie Neuhauser, die ihn im traditionellen  Stil weiterführte. Ein ganz besonderer guter Geist des Hauses war der Musiker und Komponist Karl Ganzer, der ab 1946 regelmäßig mit seiner Knopf-Harmonika im Auracher Löchl aufspielte. Dort entstand auch sein weltberühmtes,
millionenfach #m nachgesungenes Kufsteiner Lied „Kennst du die Perle, die Perle Tirols...“
Ganzers Sitzplatz in der großen Stube wird bis heute pietätvoll frei gehalten, und im Pflaster
der Gasse vor dem Haus setzte man ihm ein würdiges Denkmal. Im Jahr 1992 stand das Auracher Löchl neuerlich zum Verkauf und hatte wieder Glück, weil sich der Zillertaler
Gastronom Raimund Hirschhuber kopfüber in das urige Haus verliebte und es vor einer
radikalen Modernisierung bewahrte.

Ab 2000...
Nach dem allzu frühen Tod von Raimund Hirschuber im Jahr 2003 übernahm sein Sohn Richard den Genusshof Auracher Löchl. Seither bemüht er sich nach dem Grundsatz
„Tradition ist nicht das Hüten der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers“ den alten Geist des Hauses wieder spürbar zu machen und zugleich Zeitgeist einfließen zu lassen.

Ob die Gäste von heute tatsächlich begeistert sind, können sie nach einem Aufenthalt im Genusshof selber beurteilen. Statt Schiefertafeln oder Pergament wie vor 600 Jahren stehen heute allerdings Internet-Plattformen wie tripadvisor, holidaycheck und viele weitere zur Verfügung. Oder man setzt sich mit Richard Hirschhuber direkt in Verbindung.

 
 
01.11.2016
verfasst von Auracher-Löchl Hannes
 
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